Versorgungslage & Einkaufen

Aktualisiert: 22. Okt 2020

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Einkaufen & Angebot (2020)

Versorgungslage

Supermarkt Kuba Versorgungslage

Aktualisiert: 22. Okt 2020

Ganz in kommunistischer Tradition dominieren auch in Kuba Misswirtschaft und Mangel. In den meisten Geschäften gibt es nur sehr wenige Waren zu kaufen. Falls sich mit Glück doch etwas finden lässt, dann kostet es in der Regel ein Vielfaches der europäischen Preise. Was dies für Urlauber bedeutet und wie sich Individualreisende verpflegen können, erfährt man in diesem Artikel. 

Wie im Rest der Welt müssen sich Pauschaltouristen auch in Kuba  keine Gedanken um die Versorgung mit Lebensmitteln machen. Es erfordert nur einen kurzen Gang ans Buffet der All-Inklusive-Hotelanlage und Hunger und Durst sind gestillt.

Wer unabhängig durch Kuba reist, wird hingegen schnell feststellen, dass die Versorgung mit Lebensmitteln mitunter kein einfaches Unterfangen ist. Glücklicherweise finden sich zumindest in den Touristenorten wie Varadero, Havanna, Viñales oder Trinidad ausreichend Restaurants, die sich auf die Bedürfnisse der Reisenden eingestellt haben. Diese Lokale haben meistens eine durchaus akzeptable Qualität. Allerdings sind auch die Preise mit dem einfachen europäischen Niveau vergleichbar. Damit sind diese Gaststätten für den durchschnittlichen Urlauber gut geeignet, können für Backpacker jedoch recht teuer sein. Wenigstens finden sich in größeren Städten häufig preiswerte Imbisse die auch mit schmalen Reisekassen gut kompatibel sind. Weiterführende Information zu Restaurants finden sich im Artikel Essen & Trinken.

Je weiter man sich jedoch von den Hotelanlagen, Großstädten und den touristischen Hauptpfaden entfernt, desto komplizierter wird es ein geeignetes Lokal zu finden.

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Geschäfte & Supermärkte

In Kuba werden alle Supermärkte, Tankstellen, Kioske und andere professionellen Geschäfte von einer staatlichen Handelskette betrieben. Diese Handelskette (CIMEX) ist Ausdruck der behördlichen Misswirtschaft. Importiert wird häufig nicht etwa das, was die Menschen brauchen oder wünschen, sondern das, was die Bürokraten in Havanna beschließen.

In Supermärkten ist die Versorgungslage daher nicht immer so, dass sich die wichtigsten Lebensmittel ohne weiteres erwerben lassen. Landesweit gibt es zwar ein gut ausgebautes Netz an kleineren Verkaufsstellen und größeren Supermärkten, jedoch ist das Warenangebot dieser Geschäfte häufig äußerst überschaubar.

Einer der vielen kleinen staatlichen Kioske

An der Tagesordnung ist, dass wichtige Waren fehlen. In den Regalen der Geschäfte herrscht nicht selten gähnende Leere. Wer sich nach etwas erkundigt, bekommt häufig »no hay« zu hören: gibt es nicht.

Schlangestehen für Speiseöl (Matanzas 2019)

Sind Produkte vorrätig, an denen eigentlich gerade ein Mangel herrscht, dann bilden sich lange Schlangen vor den Märkten. Wer noch etwas bekommt, der kauft auf Vorrat, zumindest dann, wenn er es sich leisten kann. Natürlich gehen die Waren so noch schneller aus. Wer auf der Straße mit einer Mangelware unterwegs ist, wird häufig angesprochen, wo man das Produkt denn aufgetrieben habe. Der ein oder andere Leser erkennt, dass die Versorgungslage deutliche Parallelen mit der Situation aufweist, die in der DDR vorherrschte.

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Versorgungslage

Das Ergebnis der umrissenen Staatswirtschaft ist eine allgemein schlechte Versorgungslage. Innerhalb Kubas bestehen jedoch recht große regionale Unterschiede. Während in den kleineren Städten und Touristenorten die Lage meistens etwas besser ist, herrscht in Havanna vielfach der größte Mangel. In der kubanischen Hauptstadt kann es ein echtes Abenteuer werden, die einfachsten Waren aufzutreiben.

Mal im Überfluss, vielfach jedoch Mangelware: Mineralwasser in Cienfuegos (2020)

Regelmäßig lässt sich etwa in den Supermärkten kein Mineralwasser finden. Immerhin lässt sich das unverzichtbare Flaschenwasser dann zumindest in kleinen privaten Verkaufsstellen erwerben, selbstverständlich zu noch höheren Preisen, als in den sowieso schon recht teuren staatlichen Supermärkten.

Der Markt regelt also das, was der Staat nicht zu leisten vermag. Zu verdursten braucht man sich aber nicht Sorgen, denn natürlich ist auch in Hotels und Restaurants Mineralwasser fast immer vorrätig.

Anhand solcher Verwirrungen bekommen Urlauber einen Einblick in das an nicht selten paradoxe Wirtschaftssystem, indem Mangel und Misswirtschaft vielfach groteske Resultate erzeugen, die sich nicht zuletzt auf dem blühenden Schwarzmarkt abbilden.

Wie beschrieben sind glücklicherweise die Urlaubsregionen wie Varadero und die kleineren Provinzhauptstädte (etwa Pinar del Rio, Cienfuegos Santa Clara) besser gemanagt. In diesen Orten lassen sich die wichtigsten Produkte wie Trinkwasser, Snacks und basale Hygieneartikel in der Regel recht unproblematisch besorgen.

Überschaubar: Warenangebot im Supermarkt (2018)

Auch wenn man keine Angst haben muss zu verhungern, gilt also grundsätzlich, dass das Warenangebot in Kuba äußerst beschränkt ist. Reisende mit empfindlichen Mägen,  speziellen Diäten oder Kindern sollten diese besonderen Umstände berücksichtigen.

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Angebot & Preise

Das Angebot in den Supermärkten umfasst nicht viel mehr als die Basisartikel. Dazu zählen Produkte wie etwa Reis, Nudeln, Speiseöl und Dosen mit Konserven. Die Waren sind  meistens von einer einfachen Qualität. Nur selten lassen sich bessere Lebensmittel wie etwa nicht gezuckerte Fruchtsäfte finden.

Für anspruchsvolle Reisende gibt es kaum passende Produkte. In erster Linie erwerben Urlauber Softdrinks, Mineralwasser oder ein paar Cracker und Süßigkeiten. Was es meistens ausreichend - und recht preiswert - gibt, sind Bier, Rum und Zigaretten, sodass sich zumindest den kleinen Lastern nachgehen lässt.

Supermarkt in Kuba (2020)

Speiseöl im Supermarkt

Aufgrund der staatlichen Dominanz sind Angebot und Preise in den meisten Geschäften (Tankstellen, Kiosken, Bars oder in Supermärkten) nahezu identisch. Etwa kostet die beliebte kubanische Cola »TuKola« im ganzen Land 50 CUC-Cent. Der Preis ist landesweit identisch, ob in Havanna oder im entlegensten Bergdorf, ob tagsüber im Supermarkt oder spätnachts an der Tankstelle.

In ganz Kuba gelten also grundsätzlich Einheitspreise, die bei den meisten Produkten in etwa dem dreifachen der deutschen Preise entsprechen. Lediglich in wenigen staatlichen Lokalen, Nachtclubs oder am Flughafen und natürlich in Hotels können die Preise etwas höher ausfallen. Details zum Preisniveau für Urlauber entnimmt man dem Artikel zu den aktuellen Preisen in Kuba.

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Selbstversorger

Aufgrund des beschränkten Angebots und der komplizierten Versorgungslage ist es schwierig bis unmöglich sich in Kuba selber zu versorgen. Im besten Fall versorgt man sich mit Getränken, was häufig bereits nicht unkompliziert ist. Darüber hinaus lässt sich in den Geschäften meistens nicht viel mehr als einfache Kekse und Cracker erwerben.

Daher empfiehlt es sich zunächst in der Unterkunft zu frühstücken. Ergänzend zum Frühstück lässt sich auf die tropischen Früchte zurückgreifen. Je nach Saison gibt es gute Bananen, Guayaba, Mangos und Fruta Bomba (Papaya).

Bauernmarkt in Havanna (2019)

Bei Rundreisen mit einem Mietwagen bietet es sich auch an haltbare Lebensmittel aus Deutschland mitzunehmen. Dies ist nicht sehr ökologisch, jedoch besonders bei Reisen mit Kindern durchaus empfehlenswert. In erster Linie eignen sich Produkte wie Nüsse, Müsliriegel oder generell alles was haltbar (hitzebeständig) und in kleine Portionen abgepackt ist.

Jedoch wird den meisten Reisenden nichts anderes übrig bleiben als in den Unterkünften oder in Imbissen und Restaurants zu essen.

Noch schwieriger ist die Selbstversorgung für Vegetarier, Veganer oder Menschen mit speziellen Diäten. Kubaner essen am liebsten fett und vor allem gerne viel Fleisch. Mahlzeiten ohne Fleisch oder viel Fett sind nur selten zu bekommen, wobei besonders die Fette fast immer von sehr schlechter Qualität sind. Lediglich in größeren Städten und Touristenorten wie VaraderoViñales und Trinidad gibt es eine recht umfassendes Angebot an besseren Lokalen, die sich auf die Bedürfnisse der Urlauber eingestellt haben.

Je weiter man sich jedoch von touristischen Gebieten entfernt, desto schwieriger ist es ein passendes Lokal zu finden. Abseits der Touristenhochburgen gibt es kaum Restaurants, die qualitative Gerichte bieten.

Obst- & Gemüsehändler in Cienfuegos (2020)

Wer auf eine gesunde Ernährung wert legt (oder angewiesen ist), kann zumindest auf den Bauernmärkten Gemüse erwerben und dieses selber zubereiten, natürlich nur dann, wenn man eine Unterkunft mit Küche gemietet hat. Wer das vorhat, nimmt am besten etwas Olivenöl und Gewürze mit, denn auch diese Produkte lassen sich häufig nicht einfach so erwerben. Alternativ erkundigt man sich nach Mahlzeiten in der Casa Particular. Die Gastgeber in den Casas sind in der Regel sehr bemüht Wünschen und Vorlieben ihrer Gäste gerecht zu werden.

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Hintergrund

Im kommunistischen Kuba betreibt der Staat nicht nur die Geschäfte, sondern organisiert auch den Import sowie die Distribution der Waren.

Seit einiger Zeit gibt es eine Kooperation mit einer spanischen Supermarktkette. Im Zuge dieser wurden zwar viele Märkte saniert, beim Warenangebot hat sich jedoch wenig verbessert. In den aufgehübschten Märkten herrscht weiterhin vielfach nichts als gähnende Leere. Die wenigen Waren, die es gibt, werden ausnahmslos importiert, häufig aus Europa.

In Verlauf des Jahre 2019 und 2020 hat sich die Versorgungslage indes erneut verschlechtert. Die Lücken in den neu beschafften Regalen und Tiefkühltruhen werden kontinuierlich größer. Es muss auch damit gerechnet werden, dass das eine oder andere Produkt zeitweise auch mal gänzlich fehlt. Wobei auch Basislebensmittel und -produkte nicht von den Engpässen ausgeschlossen bleiben: Mal ist das Mehl über Wochen knapp, dann mangelt es an Speiseöl oder Toilettenpapier...

Dafür finden sich dann in den Regalen der Geschäfte Ananas in Dosen oder eingelegte Zwiebeln in Gläsern. Selbstverständlich importiert und zu Preisen, die für die meisten Kubaner kaum erschwinglich sind. Diese Waren bleiben dann häufig in den Regalen stehen und verstauben.

Obst- und Gemüse wird nicht in Supermärkten, sondern auf freien Bauernmärkten angeboten. Auf Märkten wird auch das in Kuba beliebte Schweinefleisch verkauft. Gänzlich frei sind diese Märkte jedoch nicht. Gerne reguliert der Staat mit Preisvorgaben durch Höchstpreise.

Kubaner essen am liebsten Fleisch (Metzger in Havanna 2018)

Der Vertrieb anderer Fleischsorten (Rind, Geflügel und Fisch) bleibt ausnahmslos dem Staat vorbehalten, sodass grundsätzlich ein Mangel herrscht.

Wie Endverbraucher beziehen auch private Restaurants den Großteil der Zutaten zum Einheitspreis aus regulären Supermärkten und somit letztlich vom Staat. Die meisten Lokale verfügen über Einkäufer, die bemüht sind die erforderlichen Zutaten aufzutreiben. Insofern sie erfolgreich sind, wird so viel wie möglich auf Vorrat gekauft. Sind die Vorräte aufgebraucht, dann sind die auf der Karte angebotenen Gerichte auch nicht verfügbar.

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Wie Kubaner den Alltag bestreiten

Für viele Kubaner sind die Lebenshaltungskosten sehr hoch. Die regulären staatlichen Löhne betragen aktuell etwa 30 bis 100 CUC pro Monat. Diese Einkommen ermöglichen nur ein äußerst geringes Konsumniveau. Es gibt zwar recht viele wohlhabende Kubaner, die über lukrative Nebenbeschäftigungen oder Familienangehörige im Ausland verfügen. Nicht wenige Menschen arbeiten dennoch fast ausschließlich für die Versorgung mit Lebensmitteln und basalen Konsumgüter. Dieser Teil der Bevölkerung muss jeden CUC bedacht verwenden.

Auch wenn Kubaner typischerweise im Eigentum wohnen und subventionierte staatliche Leistungen (wie Strom & Wasser) zwar die nötigsten Bedürfnisse sichern, reichen die staatlichen Lebensmittelrationen meistens nicht über den Monat. Zudem ermöglicht die Versorgung über Lebensmittelkarten auch keine ausgewogene Ernährung. Bedürftige erhalten über die Lebensmittelkarten im wesentlichen Grundnahrungsmittel wie Eiern, Reis, Bohnen, Zucker, Kaffee und Salz. Kinder bekommen Milchpulver und Senioren oder erkrankte Menschen Rindfleisch und Fisch.

Wer weder eine lukrative Beschäftigung noch finanzielle Unterstützung aus dem Ausland hat, kauft in Supermärkten häufig nur die unvermeidlichen Produkte wie etwa Speiseöl. Ein importiertes Glas Oliven für zwei CUC ist für nicht wenige Menschen bereits ein kleiner Luxus.

Wie Lebensmittel kosten auch Haushaltsgeräte - etwa Ventilatoren, Mixer oder Kühlschränke - in etwa das dreifache der europäischen Preise. Ein einfacher Kühlschrank oder eine Waschmaschine kosten somit schnell ein ganzes staatliches Jahresgehalt. Während die meisten Menschen Kühlschränke besitzen, waschen nicht wenige Familien aufgrund der exorbitanten Preise ihre Wäsche mit der Hand.

Die Kombination aus hohen Preisen und minimalen Löhnen ist auch der Grund warum alles, solange es irgendwie möglich ist, repariert wird - von der Unterwäsche bis zum Kühlschrank. Viele Menschen benutzen die staatliche Propaganda-Zeitung als Toilettenpapier. Nicht selten kommt es vor, dass gar einfachste Plastiktüten ausgewaschen und wiederverwendet werden. Wer Land und Menschen unterstützen möchte, kann auf einfache Weise helfen.

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